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Klare Sache für das Theologen-Team: 8:4 gewann die hessen-nassauische Fußball-Auswahl gegen die Mannschaft des Hessischen Landtags. Da half auf dem Platz auch alles Appellieren an die Nächstenliebe der Pfarrer nichts. Bei allem Spaß wurde aber auch für einen ernsten Zweck geschwitzt: Bei dem Benefiz-Spiel auf dem Herborner Hessentag ging es um die Zukunft ehemaliger Kindersoldaten im Kongo.

Herborn / Darmstadt, 24. Mai 2016. Es war am Dienstagabend beim Hessentag eine klare Sache für das Team der Pfarrer aus Hessen-Nassau. Beim Benefiz-Spiel gegen die Mannschaft des Landtags kannten die Geistlichen keine Gnade mit den Politikern. Auf dem Herborner Platz schlugen sie die Parlamentarier mit 8:4. Schon zur Halbzeit hatte es 6:1 gestanden. Dabei hatte die Mannschaft aus Wiesbaden prominente Schlachtenbummler mitgebracht: Landtagspräsident Norbert Kartmann, Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth, den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und Herborns Bürgermeister Hans Benner. Half aber alles nichts. Von der Kirche hielten Roland Jaeckle, Dekan an der Dill, und der frühere hessen-nassauische Präses Karl Heinrich Schäfer gemeinsam mit dem Hessentagsbeauftragten der kurhessischen Kirche, Dieter Dersch, die lila Hessen-Nassau-Fahne hoch. Das wirkte Wunder. Ganz besonderen Glanz verbreiteten auf dem Rasen dann auch Cetin Celik und seine Verlobte Janina Till: Das Hessentagspaar kam eigens bei den Freizeitkickern im Rehbergstadion vorbei.

Kritik an mangelnder Nächstenliebe der Pfarrer auf dem Platz

Auf dem Platz tummelten sich als Spieler bei der Politik dann unter anderem Wolfgang Dippel, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration von der CDU, der SPD-Parlamentarier Türgut Yüksel oder der Grüne Abgeordnete Marcus Bocklet. Bei den Pfarrern zeigten unter anderem der Leiter der hessen-nassauischen Ehrenamtskademie, Steffen Bauer, der Leiter der EKHN-Liegenschaftsabteilung Markus Keller und der Theologische Referent der hessen-nassauischen Kirchensynode, Lothar Triebel, den Politikern die Stollen. Sogar zwei Legionäre aus der benachbarten kurhessischen Kirche kamen in der Pfarrermannschaft zum Einsatz. Nach dem Spiel zeigten sich die Politiker nur kurz niedergeschlagen. Am Rande war denn auch gleich aus Wiesbaden herbe Kritik an der Taktik des Theologen-Teams zu hören: Auf dem Platz hätten die Pfarrer keinerlei Anzeichen von christlicher Nächstenliebe gezeigt. Das konterten die Seelsorger später nicht nur mit tröstenden Worten, sondern auch mit Bratwürstchen und Freibier.

Kindersoldaten sind ernster Hintergrund des fröhlichen Spiels

Bei allem Spaß für die Akteure hatte die Aktion aber eine ausgesprochen ernste Seite. Die Spieler legten sich nämlich für das Projekt „Gitarren statt Gewehre“ der Hilfsorganisation Brot für die Welt ins Zeug. Es bietet ehemaligen Kindersoldaten im Kongo Ausbildungsmöglichkeiten beispielsweise zum Gitarrenbauer. Landtagspräsident Kartmann und Dekan Jäckle hatten deshalb auch einen Scheck über jeweils 300 Euro mitgebracht, von Seiten der EKHN eine Spende des Kirchenpräsidenten. Am Mittwochnachmittag soll dann auch dem Frontmann der Gruppe BAP, Wolfgang Niedecken, auf dem Hessentag eine Gitarre aus dem afrikanischen Ausbildungsbetrieb signieren. Der Kölner Musiker engagiert sich bereits seit Jahren für Kindersoldaten in Afrika.

Bereits Benefiz-Konzert für „Gitarren statt Gewehre“

Bereits am Sonntag hatte die evangelische Kirche bei ihrem Auftritt auf dem Hessentag für das Projekt geworben. Der Erlös einer ausverkauften musikalischen Lesung mit Sopranistin Eva Lind und Pfarrer Wolfgang H. Weinrich im 260 Plätze fassenden PurPurDom an der Hessentagsstraße ging an „Gitarren statt Gewehre“. Am Sonntagnachmittag informierten Mitarbeitende von Brot für die Welt und eine Fotoausstellung über die Aktion. Außerdem waren Mitarbeiter aus der Berufsschule des Projektes aus dem Kongo zu Gast. Die Schirmherrschaft für die Hilfsaktion in Herborn hat Ursula Bouffier übernommen, Ehefrau des hessischen Ministerpräsidenten.

Hintergrund der Hilfsaktion für Kindersoldaten "Gitarren statt Gewehre"

Zehntausende Kinder wurden in den vergangenen 20 Jahren im Ost-Kongo zum Dienst an der Waffe gezwungen. Ein Ausbildungszentrum der baptistischen Kirche ermöglicht einigen von ihnen einen Neustart im zivilen Leben. Sie können beispielsweise eine Ausbildung als Gitarrenbauer absolvieren. Das Ausbildungszentrum in Bukavu wurde 1982 von der Gemeinschaft der Baptisten in Zentralafrika (CBCA) gegründet. Seit 1994 wird es vom Evangelischen Entwicklungsdienst unterstützt, der 2012 mit der evangelischen Hilfsorganisation Brot für die Welt fusionierte. Das Zentrum bietet Ausbildung und Qualifizierung in 19 Berufsfeldern an, darunter außer dem Gitarrenbau auch Informationstechnik, Navigation und Schiffsführung, Metallbau und Ziegelherstellung. Viele der derzeit fast 780 Lehrlinge haben eine traumatische Geschichte: Es sind ehemalige Kindersoldaten oder einstige Straßenkinder. Die meisten Azubis sind längst erwachsen, hatten aber nie die Gelegenheit, einen Beruf zu erlernen.

Spenden

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Brot für die Welt
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