Eugen Eckert lässt Rudi Völler, Steffi Jones, Christopher Preuß, Nia Künzer und viele andere zu Wort kommen

Von Albert Mehl

FRANKFURT. „Ich wünsche mir, dass dieses Buch beflügelt und beseelt.“ Diese Aussage von Eugen Eckert kann nicht überraschen. Denn schließlich ist er Pfarrer. Aber das Buch, von dem der Stadionpfarrer der Frankfurter Fußball-Arena spricht, ist nur bedingt ein religiöses Buch. Dass es dabei auch um Gott geht, das verrät schon der Titel. „Der Heilige Geist ist keine Schwalbe“, lautet er mit dem Untertitel „Gott, Fußball und andere wichtige Dinge“.

Doch der 190 Seiten starke Band aus dem Münchener Kösel-Verlag ist zum verbraucherfreundlichen Preis von 12,99 Euro eher ein Fußball-Buch. Und damit ein Buch über das Leben. Für Eckert ist der Fußball ein Bild für unser Leben. „Denn ich meine, dass Fußball in vielerlei Hinsicht vom Leben erzählt. Von dessen schönen Seiten genauso wie von Unschönem. Von Glück wie von Unglück. Von Hoffnung wie von Resignation. Vom Fallen und vom Aufstehen. Von Siegen und Niederlagen. Von Erfolg und Misserfolg“, schreibt er in seinem Vorwort „Ins Spiel kommen“.

Dabei beschreibt er aber nicht seine eigenen Erfahrungen als Stadionpfarrer und ehemaliger (Jugend-)Spieler des FSV Frankfurt. Eugen Eckert hat sich 30 Gesprächspartner aus der breiten Palette dieser Sportart gesucht und diese um einen Beitrag oder ein Gespräch gebeten. Viele Türen seien verschlossen gewesen, erzählt er über den rund drei Jahre (mit Unterbrechungen) dauernden Entstehungsprozess des Buches. So sei er etwa beim ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger abgeblitzt. Oder auch beim damaligen FC-Bayern-Boss Uli Hoeneß. „Das ist auch gut so“, meint Eckert rückblickend bei der Buchvorstellung im Eintracht-Frankfurt-Museum.

„Dann haben sich andere Türen geöffnet“, berichtet der Autor vor allem über die Kontakte zu Eric Maas, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Hessischen Fußball-Verbandes, und dem ehemaligen Eintracht-Frankfurt-Profi Achim Kraaz. Die hätten ihm weitere Gesprächspartner besorgt. Das Buch sei schnell auf 300 Seiten angewachsen. Was aber nicht im Sinne des Erfinders war. Denn Eugen Eckert hofft, dass er mit diesem Werk auch junge Leser erreicht. Und da müsse der Preis stimmen. So musste er über 100 Seiten wieder herauskürzen.

„Ich habe es als schwierig gesehen, dass junge Leute solch ein Buch lesen“, formuliert Axel Hellmann vom Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG seine ersten Bedenken. Er sagt inzwischen aber zu Eckert: „Das ist Ihnen geglückt.“

Der Grund ist einfach: Es sind immer wieder spannende Geschichten, die die vielen Autoren zu einem Stichwort wie „Anstoß“ oder „Tackling“ erzählen. Der Schwerpunkt bei den Zitierten liegt auf dem Rhein-Main-Gebiet. Aber auch Fußball-Größen wie Rudi Völler und Sebastian Kehl kommen zu Wort. Oder die beiden Wolfsburger Nationalspielerinnen Viola Odebrecht und Martina Müller. Ebenso wie Steffi Jones, Nia Künzer, Christopher Preuß und Uwe Bindewald, um nur einige bekannte Namen zu nennen. Auch Nachwuchsspieler wie Ahmed Diack und Luca Waldschmidt (beide Jugend Eintracht Frankfurt) äußern sich zu ihrem (Sportler-)Leben.

Natürlich spielen Glaube und Religion dabei eine Rolle. Nicht nur bei Volker Jung und Peter Steinacker, zwei Führungspersonen der Evangelischen Kirche. Während sich Jung zum „Handspiel“ und der „Hand Gottes (oder eines Spitzbuben)“ äußert, reflektiert Steinacker über Fair Play im Fußball.

Dazu schildert der 14 Jahre alte Ahmed Diack seine Erfahrungen als junger Muslim in einer von Christen geprägten Jugend-Mannschaft von Eintracht Frankfurt. Oder der Deutsch-Portugiese Nils Teixeira vom FSV Frankfurt erzählt von seinem römisch-katholischen Glauben. Und Colin Bell, der englische Cheftrainer des 1. FFC Frankfurt, berichtet von seiner Bekehrung zu Jesu.

Aber: Es ist kein Bekehrungsbuch. Mit seinen vielen individuellen Geschichten aus dem prallen Leben dieser Sportart ist es in erster Linie ein lesenswertes Buch über Fußball. Und damit über das Leben.

Eugen Eckert. Der Heilige Geist ist keine Schwalbe. Gott, Fußball und andere wichtige Dinge. 190 Seiten. 12,99 Euro. Kösel-Verlag München.